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13.09.2004

Praunheimer Werkstätten wurden zur Manege

Wenn es um strahlen geht, hat Petrus meist die Nase vorn. Zumindest dann, wenn er die Sonne auf schön Wetter einstellt. Beim Herbstfest der Praunheimer Werkstätten allerdings wurde der inzwischen wohl ergraute Herr nur zweiter Sieger. Die strahlenden Gesichter der Menschen im idyllischen Innenhof der Höchster Bahnstraße konnte sie nicht überbieten.

Auch die 24. Auflage des Festes wurde zum fröhlichen Beweis dafür, dass Jung und Alt ebenso wie behindert und nicht behindert immer dann, wenn sie gemeinsame Sache machen, einen unvergesslichen Moment zu Stande bringen. In der ehemaligen Schuhcremefabrik hinterließen vor allem die rund dreißig Artisten des Circus «PeWissimo» einen glänzenden Eindruck. Was die Sportlehrerin der Werkstätten, Helga Becker, gemeinsam mit Simone Heller und Franz Eberwein in wochenlanger Arbeit einstudiert hatte, verdiente sich den Applaus der Zuschauer allemal. Einmal mehr bewies sich, dass «völlig verkorkste Generalproben» (Becker) meist die besten Premieren nach sich ziehen. «Alles hat geklappt wie am Schnürchen, und das, obwohl sich die Proben wegen der Sommerferien als äußerst schwierig erwiesen und selbst einen Tag vor der Aufführung noch Zirkusnachwuchs untergebracht werden musste», strahlte die «Zirkusdirektorin».

Immerhin: Mit mehrfach behinderten Menschen ein fast 30-minütiges Programm auf die Beine zu stellen, ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Am Anfang wurde einmal pro Woche geübt, am Ende fast jeden Tag. Dabei zählen nicht nur Naturtalente wie Ahmed, der Junge, der mit Tüchern und Bällen jonglieren kann, zur bunt zusammen gewürfelten Zirkustruppe. Im Gegenteil: «Hier geht es nicht darum, wer etwas kann, sondern darum, alle, die Lust haben mitzumachen, einzubeziehen und die richtige Aufgabe für jeden zu finden», weiß Helga Becker. Und so verdienten sich Mario als Affe mit dem Applaus-Schild, Alexander als Bär und Elisabeth als Tänzerin im bunten Tüllröckchen den Applaus des «hoch verehrten Publikums» ebenso wie alle anderen Artisten.

Überhaupt: So groß die Begeisterung auf der Bühne war, so groß war sie auch in den Zuschauerrängen. Mancher Zirkus hätte gerne ein solches Publikum. Solch glückliche und eben strahlende Gesichter. Für die sorgte anschließend auch der «singende Taxifahrer» Thomas André aus Höchst. Der Mann, der auf den ersten Blick den Charme eines Jürgen Drews versprühte, ließ Kritiker gleich mit seinem ersten Song verstummen. Ohne Berührungsängste tobte der Entertainer ausgelassen durch die Reihen und hatte spätestens mit seinem dritten Song – «Ola Guana» alles im Griff. Auf der Bühne und davor machte alles munter mit, und so traf André mit seiner rasch umgetexteten Liebeserklärung «Das mit euch (statt dir) könnte gehen» genau den richtigen Ton.

Bei so viel guter Stimmung blieben Tombola (erster Preis ein Fernseher), die Stände mit in den Werkstätten angefertigten Dingen, oder der Flohmarkt für ein paar Minuten verwaist. Kurzum: Werkstattleiterin Sigrid Niemeier konnte sich schon früh ein Gläschen Sekt gönnen: Auch die 24. Auflage des Herbstfestes war ein voller Erfolg. Vor allem, weil dem Besucher schnell der Blick für die kleinen Unterschiede verloren ging.

Von Ulrich Müller-Braun




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