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10.09.2011

Pfarrerin verlässt ein bestelltes Haus

Andrea Knoche verabschiedet sich nach achteinhalb Jahren aus der Wicherngemeinde in Praunheim. Nur noch halb für die Wicherngemeinde da zu sein, kann sich Pfarrerin Andrea Knoche nicht vorstellen. Deshalb verabschiedet sie sich nach achteinhalb Jahren nun ganz aus Praunheim.

Andrea Knoche Für die Engagierten, von denen es in der Wicherngemeinde einige gibt, ist der Abschied von Andrea Knoche keine Überraschung. Denn seit längerer Zeit war auf den Gemeindeversammlungen die Rede von personellen Einschnitten, die auch an der Wicherngemeinde nicht vorbeigehen. "Ab 2014 wird es voraussichtlich nur noch eine halbe Stelle geben", sagt die Pfarrerin (57). Eine Maßnahme, von der sie noch vor ihrem Ruhestand (derzeit mit 66 Jahren) betroffen wäre. Also sucht sie schon jetzt die neue Herausforderung, arbeitet ab 1. Oktober im Religionspädagogischen Institut der Evangelischen Landeskirche von Hessen und Nassau, wo sie Pfarrer für die Konfirmandenarbeit fortbildet.

"Sicher ist so ein Wechsel für die Gemeinde immer eine Zäsur", ist sich Andrea Knoche bewusst. Am 18. September hält sie ihren Abschiedsgottesdienst mit anschließendem Empfang. Sie betont jedoch auch im Gemeindebrief, eine halbe Stelle sei für sie dort nicht vorstellbar, wo vorher "ganz" gearbeitet wurde. Und das sicher nicht nur dienstlich. Denn gemeinsam mit dem Gemeindevorstand hat sie die Weichen zu einer Zeit gestellt, als eine "Vernunftehe" mit der Auferstehungsgemeinde und die Aufgabe des Standorts in der Pützerstraße der einzig rationale Weg schien. Dass es anders kam, ist auch der Evangelischen Regionalversammlung zu verdanken, die die Zahl der abzugebenden Gebäude nach zwischenzeitig höheren Kirchensteuereinnahmen von 17 auf 13 verringerte.

Doch das wahre Wunder liegt in der Gemeinde selbst: Auch sie versteht den Abschied der Pfarrerin als Aufbruch, zumal die schweren Zeiten keine menschlichen Verwerfungen hinterlassen haben. Im Gegenteil: Mehr als 100 Ehrenamtliche stehen bereit, um das voraussichtlich halbe Jahr der Pfarrvakanz zu überbrücken. Hinzu kommt die fruchtbare Zusammenarbeit mit den benachbarten Gemeinden – auch ohne Fusion. Was Wolf Günter Brügmann-Friedeborn vom Gemeindevorstand bestätigt: "Bis Januar haben wir die Gottesdienste mit Prädikanten und Pfarrern abgedeckt."

Als die gebürtige Südbadenerin, die in Heidelberg, Berlin und Marburg studierte, 2003 nach Praunheim kam, geschah dies auch mit Rücksicht auf die Stelle ihres Mannes in Frankfurt. "Doch dank der segensreichen Arbeit meiner Vorgänger fand ich offenherzige Menschen, bei denen ich mich schnell einlebte." Fusionsgedanken mit der Auferstehungsgemeinde gab es auch damals, weil man gemeinsam auf einen noch größeren Pool an Ehrenamtlichen zurückgreifen wollte.

Doch dann kamen drastische Sparzwänge, die der Regionalverband 2006 verkündete. Schnell standen die Gebäude in der Pützerstraße zur Disposition. "Die Mehrheit wollte aber den Erhalt, und so bekam die Fusion eine andere Dimension", räumt Knoche ein.

Trotz steigender Spannungen schafften es aber Gegner und Befürworter, Verständnis füreinander aufzubringen. Dann reduzierte der Regionalverband die Zahl der abzugebenden Gebäude, und es ergab sich ein Ausweg: Die Gemeinde zahlt für die überschüssige Fläche, die sie für ihre 1100 Gemeindeglieder unterhält, eine jährliche Abgabe von 1200 Euro. Was dank genügender Kirchensteuern, Spenden und Rücklagen problemlos möglich ist. Dafür konnte die Gemeinde vom kleinen Bauunterhalt des Regionalverbands das Foyer neu gestalten, plant nun die Erneuerung der Küche.

"Nach unserem Kenntnisstand wird es aktuell keine Fusion der beiden Praunheimer Gemeinden geben", bestätigt der Sprecher des Regionalverbands Ralf Bräuer. Der Bestand der Gebäude sei wenigstens bis 2017 gesichert. Und Andrea Knoche verabschiedet sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Diese Gemeinde hat mir mit ihrer Offenheit und ihrem Engagement sehr viel gegeben. Für die Zukunft ist sie gut gerüstet."

Der Abschiedsgottesdienst mit anschließendem Sektempfang am Sonntag, 18. September, beginnt um 10 Uhr in der Kirche, Pützerstraße 96 a.



Von Gernot Gottwals

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