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13.07.2013

Die zerstörerische Kraft des Wassers

Hoher Sachschaden in der überschwemmten Seniorenwohnanlage. Der Strom kommt aus dicken Kabeln, der Aufzug stoppt im Erdgeschoss. In der im Juni überfluteten Wohnanlage in Praunheim klemmt es noch an vielen Ecken. Wieder rund laufen soll es Ende des Jahres.

Im Gemeinschaftsraum ist der Parkettfußboden aufgerissen, an den feuchten Wänden kriecht Schimmel empor, ein muffiger Geruch liegt in der Luft. Im Keller sind es verdreckte Verschläge, eingedrückte Metalltüren und letzte Wasserlachen in den Gängen, die in der Seniorenwohnanlage im Praunheimer Weg immer noch an den 9. Juni erinnern. Nach stundenlangem Starkregen war damals der Steinbach, der nur äußerst selten Wasser führt, über die Ufer getreten und hatte das Gebäude unter Wasser gesetzt. Die Keller wurden überflutet, im Erdgeschoss stand das Wasser bis zu 40 Zentimeter hoch.

Mindestens 500 000 Euro

Seitdem ist fast alles in der Anlage provisorisch. „Frühestens Weihnachten wird hier wieder alles seinen geregelten, seinen normalen Gang gehen“, sagt Georg Bitterberg, Prokurist bei der städtischen Wohnheim, dem Eigentümer des Gebäudes. Er rechnet mit Kosten von mindestens 500 000 Euro und hofft zugleich, dass „die Grenze von einer Million nicht überschritten wird“. Allein die zweiwöchige Unterbringung der 120 Senioren in Hotels und anderen Anlagen habe 50 000 Euro gekostet. Mittlerweile sind fast alle Bewohner wieder zurück, lediglich die Erdgeschosswohnungen können noch nicht wieder bezogen werden.

Am schlimmsten getroffen hat es die Kellerräume. Die Wasserkraft zerstörte die Fenster, drang ins Gebäude ein und stieg bis unter die Decke. In den Verschlägen gelagerte Sachen wurden durch die Wassermassen durcheinandergewirbelt. Immer noch sind die Möbel, Kleidersäcke und Kleinteile von einer dünnen Schlammschicht bedeckt. Die Bewohner sollen in den nächsten Wochen ihr Eigentum sichern und prüfen, was noch zu gebrauchen ist. Erreicht werden kann der Keller derzeit nur über die Außentreppe, der Aufzug stoppt aus Sicherheitsgründen im Erdgeschoss.

Elektrik wird erneuert

Komplett außer Betrieb gesetzt wurde die Stromversorgung. Zwei Wochen lang dauerte es, bis das Gebäude wieder provisorisch mit Strom versorgt wurde. Von einer Trafostation verlaufen jetzt dicke Starkstromkabel an der Außenseite des Gebäudes in die sieben Stockwerke. Über die Zählerkästen verschwinden sie in den einzelnen Wohnungen. Repariert werden kann die Elektrik aus den 1970er Jahren nicht, es gibt keine Ersatzteile mehr. Zugleich wird auch die alte Heizungsanlage ersetzt. „So hat alles Schlechtes auch etwas Gutes. Die nötige Sanierung wird vorgezogen“, sagt Georg Bitterberg.

Die Versicherung habe abgelehnt, die Kosten zu übernehmen. Mit der Begründung, es handle sich um einen Elementarschaden, dafür wäre eine Zusatzversicherung notwendig. Werde allerdings die Theorie bestätigt, dass Heu und Gras das Kanalgitter des vor einigen Jahren renaturierten Steinbachs verstopften und zur Überflutung brachten, werde die Versicherung den Schaden tragen. „Der Kanal, durch den das Gerinne unter dem Praunheimer Weg verläuft, ist scheinbar bei solch einem Starkregen überfordert“, meint Georg Bitterberg. So habe der Wasserdruck sogar die Kanaldeckel auf der Straße aufgedrückt. Für den Prokuristen ist die Sache damit klar: „Der Kanal ist zu klein, es handelt sich um keinen Elementarschaden.“



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 13.07.2013, von Judith Dietermann

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