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09.09.2013

Offene Atmosphäre, viele Ideen

Wicherngemeinde feiert 50-jähriges Bestehen - Viele soziale Aufgaben im Stadtteil übernommen. Mit einem großen Straßenfest feierte die Wicherngemeinde ihren 50. Geburtstag. Dabei zeigte sich, dass bei den Praunheimer Protestanten nicht nur eine offene Atmosphäre herrscht, sondern diese auch eine wichtige Arbeit im Stadtteil leisten, von der Jung und Alt profitieren.

Kein Kirchen- oder Glockenturm: Von außen deutet nicht viel darauf hin, dass das Gebäude in der Praunheimer Pützerstraße 96 a einem sakralen Zweck dient. Nur ein schlichtes Kreuz, wie das bei vielen Protestanten üblich ist, weist schließlich darauf hin. Und doch wird hier in der Nachbarschaft zu den Reihenhäusern der Ernst-May-Siedlung eine Arbeit geleistet, die ihresgleichen sucht. Und das bereits seit einem halben Jahrhundert.

Es gab also viele gute Gründe, dass die Wicherngemeinde am Samstag mit einem großen Straßenfest ihren 50. Geburtstag feierte. Dabei wurden viele Erinnerungen an die Ursprünge der Gemeinde wach. Benannt ist diese nach dem Begründer der evangelischen Sozialarbeit, Johann Hinrich Wichern. 1954, als die Praunheimer Auferstehungsgemeinde an Mitgliedern quasi überquoll, wurde im Westbezirk ein zweites Gemeindehaus mit Kirchsaal erbaut. 1963 jedoch wurde die jetzige Wicherngemeinde selbstständig.

Katja Föhrenbach ist seit August die Pfarrerin in der evangelischen Gemeinde. Was ihr hier gefällt, ist die „offene Atmosphäre“, die weit weg von Starrheit sei. Die „geistige Freiheit“, der man hier begegne, erlaube, dass viele Ideen, die Individualisten einbrächten, auch verwirklicht werden können, erklärte die 39-Jährige.

„Wir vermitteln Werte“

Das zeigt sich auch daran, dass die Wicherngemeinde in den 50 Jahren ihres Bestehens viele soziale Aufgaben im Stadtteil übernommen hat. Als Trägerin der „offenen Kinder- und Jugendarbeit“ werden die Jüngsten und Jüngeren in der Hausaufgabenhilfe unterstützt. Rund 80 Kinder zwischen drei und zehn Jahren besuchen zudem die Kindertagesstätte der Gemeinde.

Der Anteil an Kindern aus Zuwandererfamilien, oft mit muslimischem Hintergrund, ist dabei hoch. „Hier in unserer Kita werden Werte vermittelt“, betont Pfarrerin Föhrenbach und ergänzt: „Das wissen die Eltern aller Glaubensrichtungen zu schätzen“.

Dr. Klaus Sauer (56), Vorsitzender des Kirchenvorstandes, betont, dass die Menschen im ehemaligen „Brennpunkt-Bezirk“ in der Gemeinde konfessionsübergreifend einen „Ort der Geborgenheit“ gefunden hätten. „Ein ungezwungener familiärer Charakter prägt unsere Arbeit“, sagt Sauer. Auch Toleranz gegenüber Andersdenkenden gehöre dazu.

Unter dem Motto „Begegnung und Besinnung“ böte die Gemeinde ein breites Spektrum an, das den Bedürfnissen der Menschen entspreche. Dazu gehören Lesungen, Liederabende und Konzerte. Zudem gibt es barrierefreie Angebote, bei denen die Menschen zur inneren Ruhe und zusammenfinden könnten. Auch ein Mitmachgottesdienst für die Kinder wird einmal im Monat angeboten. „Hier ist ein zentraler Raum der Begegnung für die Menschen in der Siedlung“, so Sauer.

Zu den regelmäßigen Angeboten gehört ebenfalls ein Seniorentreff, in dem gemeinsam das Mittagessen eingenommen werden kann und wo es Zeit für Gespräche gibt. Last but not least werden Feste in der Gemeinde gefeiert. Dazu gehört ein Sankt-Martins-Umzug durch die Ernst-May-Siedlung.

Gute Zusammenarbeit

Gestemmt wird das Ganze von rund 150 Aktiven - bei insgesamt etwa 1000 Gemeindemitgliedern. Die Tendenz ist, wie bei anderen konfessionellen Gruppen, abnehmend, was auch demoskopisch bedingt ist. Dem begegnet die Wicherngemeinde, wie auf dem Sommerfest zu hören war, mit der christlichen Tugend „Hoffnung“. Und schließlich gibt es eine gut funktionierende Kooperation mit den Praunheimer Nachbarkirchen Auferstehungs- und der Christ-König-Gemeinde. glo

Zum 50-jährigen Bestehen hat die Wicherngemeinde eine reich bebilderte Festschrift herausgegeben, die den Wandel der Gemeinde und ihre Lebendigkeit dokumentiert. Kontakt: Evangelische Wicherngemeinde, Pützerstraße 96a, Telefon (069) 762415 und im Internet unter www.wicherngemeinde.de.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 09.09.2013

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