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22.10.2004

Wir wollen eine Postagentur

Die Menschen in der Siedlung Praunheim sind enttäuscht. Sie fühlen sich von der Politik allein gelassen. Kein Geldinstitut, keine Post und dann wurde auch noch der Briefkasten im Kleinen Einkaufszentrum abmontiert.

Um einige Wochen später in Richtung Friedhof Westhausen wieder angebracht zu werden. «Die Politiker zeigen sich an ihren Ständen nur, wenn Wahlen anstehen», sagt eine Anwohnerin. Carmelo Pistara (51), Inhaber des Toto-Lotto-Geschäfts in der Ludwig-Landmann-Straße 1, will das ändern. «Ich möchte hier gern eine Postagentur integrieren.» Das stößt bei den Anwohnern auf offene Ohren.

Rund 800 Unterschriften hat Pistara, der im April 2003 seinen kleinen Laden eröffnete, in der Siedlung gesammelt, um den Bedarf für eine Postagentur zu dokumentieren. Denn bei seiner ersten Anfrage bei der Post AG stieß er auf Ablehnung.

Auf Anfrage der FNP machte gestern ein Post-Sprecher in Frankfurt allerdings kaum Hoffnung. «Wir erfüllen die gesetzlichen Anforderungen, innerhalb von zwei Kilometern den Bürgern eine Poststelle anzubieten», sagt Thomas Kutsch. Im Internet unter www.deutschepost.de könne eine Filialsuche gestartet werden. Bei der Angabe Ludwig-Landmann-Straße 1 gibt es gleich drei Treffer im Umkreis von zwei Kilometern: die Postfiliale In der Römerstadt 250, die Post-Service Filiale im Hausener Weg 39 sowie die Filiale Am Fischstein 33. «In Frankfurt besitzt die Post mit über 60 Filialen das dichteste Netz überhaupt», sagt der Post-Sprecher. Nur wenn ein Betreiber sein Geschäft, in der die Agentur integriert ist, schließe, würde die Post AG auf die Suche nach einem neuen Standort gehen. Zurzeit sehe er dazu keine Veranlassung.

Dass die Post die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, wird den Anwohnern in der Siedlung wenig helfen. Hier wohnen viele ältere Menschen, denen ein langer Fußweg kaum zuzumuten ist. Und wenn extra mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren werden muss, rechnet sich der Gang zur Post nicht. Anwohnerin Bärbel Klippenberger verweist auf die Altenwohnanlage, die damals extra in unmittelbarer Nähe zum Kleinen Einkaufszentrum gebaut wurde. «Die sind nicht so mobil und kommen überall allein hin.» Auch Anita Krammig unterstützt den Vorstoß von Carmelo Pistara. «Hier ist ein zentraler Ort, den alle erreichen können.»

Die Post hat allerdings schon bei der Demontierung der Briefkästen gezeigt, dass auf Wohngebiet mit höherer Altersstruktur keine Rücksicht genommen wird. Thomas Kutsch umschreibt dies mit den Worten: «Auch die Wirtschaftlichkeit gehört zum Anforderungsprofil für das Filialnetz.» Das heißt, mehr Filialen als vom Gesetzgeber vorgegeben kann und will sich die Post AG nicht leisten.

Carmelo Pistara will aber nicht aufgeben. Die große Unterstützung der Anwohner hat ihn selbst ein wenig überrascht. Wenn es mit der Postagentur kurzfristig nicht klappen sollte, hat er bereits neue Ideen. Auf jeden Fall will er seine Angebotspalette ausweiten, um auf seine Weise die Siedlung ein wenig aufzuwerten.




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