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08.07.2014

Ein Garten und jede Menge Ärger

Peter Kraft ist amtsmüde – der Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Praunheim-Römerstadt wird nicht mehr kandidieren. Er fühlt sich vom Landes- und Kreisverband im Stich gelassen.

Die Sonne strahlt an diesem Nachmittag, kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen, Bienen summen in der Luft. Auch wenn Peter Kraft es noch so schön findet in dem kleinen Garten nahe der Nidda – zu der Stimmung des Vorsitzenden des VdK-Ortsverbands Praunheim-Römerstadt passt dieses grüne Idyll derzeit nicht. Denn Peter Kraft ist frustriert. Weil er sich nach fast vier Jahren Amtszeit allein gelassen fühlt. Allein gelassen vom Kreis- und Landesverband des Sozialverbandes. „Ich bin ja in wirklich vielen Vereinen – aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, schüttelt er immer wieder den Kopf. Für ihn ist klar – er wird kein zweites Mal kandidieren.

Es ist die erst nach einem Jahr zugestellte Post, das fehlerhafte Abbuchen von Mitgliedsbeiträgen, die fehlende Einweisung in das Amt des Vorsitzenden sowie veraltete Strukturen die Peter Kraft kritisiert. Am meisten wurmt es ihn jedoch, dass der vor drei Jahren in der Kleingartenanlage Praunheim angemietete Garten immer noch nicht offiziell genehmigt ist. „Nach der Satzung des Kleingartenvereins muss den Garten eine Person anmieten. Das wiederum geht nach den Statuten des VdK nicht. Nun haben wir eine Sonderregelung, der Ortsverband ist als Pächter eingetragen – eine Genehmigung haben wird trotzdem nicht“, so Kraft. Und auch die Gelder – rund 2000 Euro hat der Ortsverband von Sponsoren erhalten – sind noch nicht genehmigt. So wurde der Bau einer Solaranlage zunächst aus eigener Tasche bezahlt.

Der Vorsitzende habe bei der Genehmigung des Gartens „nicht den richtigen Weg bestritten“. Deswegen sei er noch immer nicht genehmigt, begründet ein Sprecher des VdK-Landesverbandes. Zudem sei solch ein Garten „kein klassisches VdK-Projekt“.

Wunsch der Mitglieder

Aussagen wie diese sind es, die den Ärger bei Peter Kraft nur noch größer werden lassen. „Ich will nicht hören, dass etwas falsch ist. Sondern gezeigt bekommen, wie ich es richtig mache. Ich habe dieses Ehrenamt nicht gelernt“, ärgert er sich. Intensiv habe er mit den rund 350 Mitgliedern gesprochen und erfahren, dass sie sich einen Platz im Grünen wünschen. „Vor allem die Menschen aus den Hochhaussiedlungen“, berichtet der Vorsitzende.

So war die Beschaffung des Gartens eine seiner ersten Amtshandlungen. Nachdem er rund 80 Mitglieder wieder zurück geholt hatte in den VdK. Denn bevor Peter Kraft Ende 2010 das Ruder im Ortsverband übernahm, war der knapp zwei Jahre führungslos – nach dem Tod des langjährigen Vorsitzenden Heinrich Kraus 2009. „Als Vereinsring-Vorsitzender konnte ich nicht zulassen, dass ein Praunheimer Verein aufgegeben wird“, erinnert sich Kraft, der sich ins sprichwörtlich kalte Wasser werfen lief. Lehrgänge habe der Landesverband dem Vorstand versprochen. Daran teilgenommen haben sie nie. „Die Kurse waren ausgebucht oder vorbei. Weil wir keine Post bekamen“, berichtet der Vorsitzende.

Verband sucht Gespräch

Die Post, erklärt der Bezirksgeschäftsführer Mario Klein, hätte Peter Kraft jede Woche in der Geschäftsstelle des Kreisverbandes abholen können. „Das wusste er und bei den anderen Ortsvereinen funktioniert das auch“, sagt Klein. Ohnehin seien es in den meisten Fällen „missachtete Kommunikationswege“ gewesen, die zu den Problemen führten, heißt es derweil beim Landesverband. Um diese zu lösen, gebe es die Regionalkonferenzen. „Bei allen anderen 1200 Ortsverbänden funktioniert es, nur dort nicht“, so ein Sprecher. Nun will der Kreisverband das Gespräch mit Peter Kraft suchen.

Ihn wird es aber wohl kaum dazu bewegen, seinen Entschluss rückgängig zu machen. „Der Garten ist gekündigt und läuft ab kommendem Jahr auf mich als Privatmann“, so Kraft, der sich nun neben dem VdK auch der Arbeiterwohlfahrt angeschlossen hat.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 08.07.2014. Von Judith Dietermann

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