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31.05.2005

Zecken dürfen nicht rausgedreht werden

Das Problem: Es war ein kleiner schwarzer Fleck auf dem Oberarm der zweieinhalbjährigen Leonie, der Uta H. veranlasste, genauer hinzusehen.

Was sie zunächst für Dreck hielt und abzupfte, fing plötzlich an, sich zu bewegen. Erst jetzt entdeckte sie die Beine. Zecken gehören zu den Spinnen und haben acht Beine, erklärt der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtesm, René Gottschalk. Das Insekt, möglicherweise ein Mitbringsel von einem Ausflug in den Odenwald an diesem Tag, schien eine Zecke gewesen zu sein. Der Schreck war groß, die Krankheiten Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kamen ihr in den Sinn, sie entdeckte Zecken auch auf hiesigen Sträuchern.

Die Lösung: "Zecken gibt es überall", sagt René Gottschalk. Sie überwintern im Boden. Wenn es feucht und mindestens sieben, acht Grad ist, krabbeln sie hervor. Sie sitzen auf Pflanzen bis zu einer Höhe von 80 Zentimetern, berichtet der Leiter der Abteilung Infektiologe. Das FSME-Virus kommt in Frankfurt aber nicht vor. Der Odenwald und die Landkreise Darmstadt-Dieburg und Bergstraße sowie seit April der Landkreis Offenbach sind allerdings Risikogebiete. Auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de) sind die Infektionsgebiete genannt. Weniger als 300 Erkrankungen werden pro Jahr bundesweit festgestellt.

Die in Frankfurt vorkommenden Zecken können jedoch Borrelien, schraubenförmige Bakterien, übertragen, berichtet Gottschalk. Sie befinden sich im Darm der Zecke und werden nach einem Stich "am Ende des Saugaktes übertragen". Sie lösen die Lyme-Borreliose aus, die, wenn sie unbehandelt bleibt, nach Monaten oder Jahren zur Neuroborreliose und zu Gelenklähmungen führen kann. Das Stadtgebiet sei allerdings nur schwach mit Borrelien belastet, sagt Gottschalk.

Zur Sicherheit sollten Zecken jedoch immer entfernt werden. Allerdings dürfen sie nie gequetscht und deshalb nicht mit einer Pinzette entfernt werden, rät er. Sonst erbrechen sie sich und übertragen die möglicherweise vorhandenen Borrelien. Er empfiehlt, mit der Rückseite eines Taschenmessers "scharf über die Zecken zu fahren". Das Mundwerkzeug werde dadurch ausgehebelt. Auch eine Scheckkarte und Zeckenkarten seien dafür geeignet. Dass man Zecken rausdrehen soll, sei "Blödsinn. Sie haben kein Gewinde", sagt Gottschalk. Borreliose zu diagnostizieren ist schwierig und eine der häufigsten Fehldiagnosen, sagt der Mediziner. Ein roter Ring um die Einstichstelle, spätestens am Tag nach dem Stich zu sehen und einige Tage bis vier Wochen lang andauernd, ist ein eindeutiges Zeichen. Es kann aber auch ohne diesen Hinweis zu einer Infektion gekommen sein. Ein Indiz sind Grippesymptome, Schlappheitsgefühl, Gelenkschmerzen, es kann Fieber auftreten, muss aber nicht. Die Symptome sind "sehr unspezifisch", sagt der Mediziner. Zur Vorbeugung helfen Mittel mit dem Wirkstoff Icaridin, erläutert der Afrika-Reisende, der dort schon 100 Zecken auf der Hose hatte und "nicht einmal gestochen" worden ist. Nach Ausflügen in belastete Gebiete oder in die Natur empfiehlt er, sich abzusuchen. "Zecken sind Gourmets, sie suchen feuchte, dünne Hautstellen", wie Kniekehlen oder Leiste. dob




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