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20.07.2006

Kein Platz für die ganz Kleinen

In Hausen, Praunheim und Rödelheim gibt es so gut wie keine Krabbelstuben

Praunheim/Rödelheim. In den ersten Jahren 200, nun 300 neue Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren schafft die Stadtverwaltung pro Jahr.

Für viele Eltern, die das Kinderhaben und den Beruf miteinander vereinbaren müssen, sind diese neuen Krabbelstuben ein Segen – der allerdings an den Stadtteilen Praunheim, Hausen und Rödelheim vollkommen vorbeigeht.

Am schlechtesten sieht die Versorgungslage in Praunheim aus: Dort gibt es keinen einzigen Krabbelstubenplatz. In Hausen gibt es ein knappes Dutzend, in Rödelheim können immerhin 25 Kinder betreut werden. Fasst man alle Stadtteile zusammen, liegt der Versorgungsgrad gemessen an der Kinderzahl bei 3,7 Prozent. Zum Vergleich: Stadtweit beträgt der Grad 17 Prozent.

Viel gerechter wird die Verteilung für die Stadtteile in absehbarer Zeit wohl auch nicht werden. „Es ist natürlich unser Ziel, dass mehr Betreuungsplätze für Kleinkinder geschaffen werden. Doch die Träger können sich nur dort ansiedeln, wo es auch Räume gibt“, erklärt Ingo Staymann, Leiter des Jugend- und Sozialamts, den Notstand. Aus Kostengründen richte die Stadt schon länger keine eigenen Krippen mehr ein, sondern leistet finanzielle Zuschüsse, wenn Vereine, Kirche oder andere Institutionen die Trägerschaft für die Einrichtungen übernehmen. „Dazu müssen die Träger natürlich auch geeignete Räume in den Stadtteilen finden. Das erweist sich in den drei Stadtteilen als schwierig.“ Und auf die aktive Suche nach geeigneten Räumen, die ja gar nicht riesig sein müssten, könnten Mitarbeiter seines Amtes nicht gehen. „Dafür haben wir kein Personal. Seit es diese Krabbelstuben-Offensive gibt, haben die Träger einen hohen Beratungsbedarf, außerdem müssen ja Anträge geprüft, eventuelle Standorte besichtigt und die Förderungen bewilligt werden – mehr können wir nicht schaffen“, so der Amtsleiter. Man sei auf „Selbstmelder“ unter den Trägern oder von möglichen Vermietern angewiesen.

Außerdem müssten auch die Eltern in Hausen oder Praunheim nicht unbedingt länger als gewollt mit ihrem Nachwuchs zu Hause bleiben. „Es steht ja nirgendwo, dass Kinder nur im eigenen Stadtteil in die Krabbelstube gehen dürfen“, so Staymann. Und für viele Eltern sei es oft günstiger, wenn die Einrichtung in etwa in dem Stadtteil liege, wo sie arbeiten.

Außerdem dürfe man die Lage nicht nur nach dem in Prozentzahlen ausgedrückten Betreuungsgrad messen, sagt Staymann auch mit Blick auf eine Anfrage von Linke /WASG und den Farbechten aus dem Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim und Westhausen). Das gelte schon deshalb, weil die Kinderzahlen in den Stadtteilen allein nicht immer auf die Höhe des Bedarfs schließen lassen. „Während in den innenstadtnahen Stadtteilen wie Nordend, Westend, Bornheim, Sachsenhausen, Bockenheim viele junge Familien leben, die gerne Angebote der Kinderbetreuung annehmen, ist die Akzeptanz von Kleinkinderbetreuung insbesondere in den westlichen Stadtteilen völlig anders. Hier hat es sehr viel länger gedauert, bis die neuen Plätze belegt werden konnten“, hat der Magistrat schon vor einigen Wochen in einem Bericht festgestellt. Auch solches Elternverhalten müsse in der Planung mit berücksichtigt werden, so dass das Versorgungsziel nicht in jedem Stadtteil einheitlich sein kann, heißt es in dem Bericht weiter. Und Staymann ergänzt: „Wir haben in der Stadt auch noch 300 Tagesmütter, auch dieses Angebot nutzen die Eltern.“ Und dort, wo es auf absehbare Zeit weniger ältere Kinder gibt, würden auch Kita-Plätze für die ganz Kleinen umgewandelt. (ing)




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