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08.07.2004

Tumorzentrum wird erweitert

Deutsche Krebshilfe fördert Krankenhaus Nordwest beim Bau der Palliativstation

Von Sören Rabe


Praunheim. Das Krankenhaus Nordwest, Steinbacher Hohl 2-26, baut eine Palliativstation für 3 Millionen Euro, in der Schwerst-Tumorkranke betreut werden. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 1,5 Millionen Euro. Die andere Hälfte bringt das Krankenhaus aus Eigenmitteln auf. Baubeginn ist im Januar nächsten Jahres.

«Diese Förderzusage ist ein besonderes Lob für das Krankenhaus Nordwest», sagte gestern Professor Elke Jäger, Leiterin der II. Medizinischen Klinik Hämatologie-Onkologie, bei der Vorstellung des Bauvorhabens. Für die international angesehene Klinik ist die neue Palliativstation ein weiterer Baustein im Interdisziplinären Tumorzentrum, das in dieser Form einzigartig in Hessen ist.

In diesem Zentrum mit einer Größe von 90 Betten arbeiten 14 Fachrichtungen des Klinikums zusammen. Vorteile sind vor allem die Expertendiskussionen über den Einzelfall, so dass die Erkrankten nicht nur auf eine Meinung angewiesen sind. Weiterhin gibt es eine Koordination von Diagnostik und Therapie. In Deutschland gibt es bisher keine einheitlichen Versorgungen, Therapiekonzepte, die mehrere Fachrichtungen einschließen, fehlen. Die Mediziner erwarten mit dem Tumorzentrum eine bessere Versorgung der Patienten. Dazu nannte Professor Jäger Zahlen: Während vor zehn Jahren die durchschnittliche Lebenserwartung bei einer schweren Form der Krebserkrankung nur bei neun Monaten lag, wurde dies durch bessere Behandlungsmöglichkeiten mittlerweile auf zwei Jahre erhöht. An einem Fallbeispiel erläuterte die Medizinerin die Verlängerung der Lebensdauer bei Schwererkrankten auf vier Jahre.

Im Neubau der Palliativstation, die zurzeit in der Akut-Station integriert ist, werden Tumorerkrankte im fortgeschrittenen Stadium untergebracht. Bei diesen Patienten besteht zumeist ein hoher Bedarf an Schmerz- oder Ernährungstherapien oder psychologischem Beistand für Erkrankte und Angehörige. «Wir verbessern die Lebensqualität, die Lebenserwartung kann damit aber nicht verlängert werden», sagte Professor Jäger. In dem Gebäude, das in Eingangsnähe gebaut wird, sollen zukünftig zehn Betten zur Verfügung stehen. Angehörige können die Erkrankten rund um die Uhr begleiten.

In den vergangenen Jahren sind die Fallzahlen der Krebserkrankungen angestiegen. Als Gründe nannte Professor Jäger die längere Lebenserwartung, da die Zahl der im Alter Erkrankten stark gestiegen ist, sowie die verbesserten Methoden zur Früherkennung. Statistisch liegt die Überlebenschance bei 50 Prozent.

Allerdings spielen auch beim Interdisziplinären Tumorzentrum die Kosten eine große Rolle. Denn nicht nur neue Therapieformen, wie die Entwicklung und Anwendung neuer Substanzen, steigern die Kosten für die Behandlungen, auch das Zusammenspiel verschiedener Spezialisten. Professor Jäger sieht die Verhandlungen mit den Krankenkassen aber auf einem guten Weg. Denn im Tumorzentrum können die Unterbringungszeiten deutlich verringert werden, um die Kosten wieder zu senken. Teure Behandlungsmethoden könnten zudem besser durchgesetzt werden, wenn eine Gruppe von Spezialisten diese anregt.

Gesundheitsdezernent Nikolaus Burggraf (CDU) begrüßte bei der Vorstellung des Projektes die Bemühungen der Klinik um den Aufbau des Interdisziplinären Tumorzentrums. «Seit Jahren ist die Zusammenarbeit von verschiedenen Fachrichtungen in der Medizin ein Thema, aber in nur wenigen Fällen funktioniert es.» Er hofft, dass es in Praunheim der Fall sein wird.




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