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20.03.2007

Frankfurt. Der Vogel des Jahres

Der Vogel des Jahres sucht ein Zuhause. Als besonders gefährdet gilt der Turmfalke zwar nicht, dennoch gehen die Bestandszahlen langsam, aber stetig zurück.

Der Grund dafür: „Immer mehr Lebensräume gehen für diesen kleinen Greifvogel verloren“, weiß Diplom-Ingenieur Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte. „Früher gehörte dieser Falke zum üblichen Bild von Dorf und Kleinstadt. Ein Ort mit Kirche hatte selbstverständlich einen Turmfalken.“ Das Ziel der Vogelkundler lautet daher: Noch mehr Turmfalken als bisher eine Heimat in Frankfurt bieten. „Etwa 40 Paare brüten in Stadt und Umgebung“, weiß Ingolf Grabow, Beauftragter für den Vogelschutz in Heddernheim, Niederursel und Praunheim.

Heute habe sich die Lebensraumqualität für den Turmfalken gewandelt. In großen Städten gebe es zwar Nistmöglichkeiten, dafür fehle es an freien Flächen, auf denen die Greifvögel jagen können, beschreibt Martin Hormann. In Frankfurt sieht die Lage etwas positiver aus. Hier gibt es 25 Brutstandorte, hat Ingolf Grabow beobachtet, Fernglas und Notizblock stets in der Tasche. „Der Turmfalke hat auch Hochhäuser und Kirchtürme als Brutplätze für sich entdeckt.“ Diese Tatsache wiederum brachte Herbert Föth vom Kirchenvorstand der Evangelischen Christuskirchengemeinde Nied auf die Idee, einen Nistkasten hoch oben auf dem Kirchturm anbringen zu lassen. „Hier in Nied jagen diese Vögel an der Nidda, deshalb ist die Christuskirche ein idealer Brutort“, war auch Martin Hormann gleich begeistert von dem Anliegen. Ingolf Grabow schleppte die Einzelteile des Baukasten-Systems die vielen Stufen des Kirchturms hinauf, bugsierte sie um die imposanten Bronze-Glocken herum und kletterte schließlich die Leiter hoch zum kleinen Vorraum. In 28 Metern Höhe baute er dann den Brutkasten zusammen. „Der Falke ist auf Türme geprägt, der findet die Öffnung draußen“, weiß der Experte. Wert hat er zum Beispiel darauf gelegt, dass diese Einflugsöffnung an windgeschützter Stelle liegt.

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist mit seinen rund 35 Zentimetern Körpergröße und 75 Zentimetern Flügelspannweite ein wendiger, eleganter Jäger, der im Rüttelflug nach Mäusen und Eidechsen Ausschau hält. Im Gebirge, an Felsabbrüchen oder Steinbrüchen dienen Spalten oder kleine Höhlen als Brutplätze. „Ein Kirchturm ist in gewisser Weise ein Fels für den Falken“, erklärt Martin Hormann. Auch Nistkästen an hohen Gebäude oder Brückenpfeilern würden gerne von den Vögeln angenommen.

1983 baute Grabow seinen ersten Brutkasten. Inzwischen sind Dutzende hinzu gekommen, überall im Stadtgebiet. „Der neue Brutkasten im Kirchturm ist in Nied die Nummer 18. Allein zwischen Harheim und Nied haben wir insgesamt 30 Nistplätze eingerichtet.“ Im vergangenen Jahr beobachtete er zwölf Turmfalken-Brutplätze nur zwischen Harheim und Praunheim. „Im Stadtgebiet liegt die Zahl noch etwas höher.“ Aber der Kasten auf dem Nieder Kirchturm ist nicht nur für Turmfalken geeignet: „Er ist extra so konstruiert, dass auch die Schleiereule darin brüten kann. Es gibt extra zwei Kammern“, erläutert Ingolf Grabow, während er den Boden des Brutkastens mit Sägespäne, Torf und Rindenmulch bedeckt. „Das dient als Nestunterlage, damit die Eier nicht wegrollen.“ Im April werden dann hoffentlich Turmfalken und Schleiereulen hier für Nachwuchs sorgen. „Oder auch die Dohle. Hauptsache, der Natur ist damit geholfen.“

Der Turmfalke steht auch im Mittelpunkt des Nabu-Artenschutzsymposiums am 28. April, 10 Uhr, im Zoo-Gesellschaftshaus. (bea)




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