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15.11.2007

Umfahrung: Proteste kommen zu spät

Bereits im Jahr 1938 wurde über die Ortsumfahrung Praunheim diskutiert. Dies hat sich bis heute nicht geändert: Gestern unternahm der Verein „Brücke 71“ mit dem „runden Tisch“ einen neuen Versuch, um Standpunkte für und gegen die Umfahrung auszutauschen.

Leider kommt der Verein damit etwas zu spät, was sich auch dadurch zeigte, dass es weder Verantwortliche der Stadt noch des Ortsbeirates 7 für nötig befanden, zur Veranstaltung zu erscheinen. Die Ursache: Grundsätzlich ist die Umfahrung seit 2005 schon eine beschlossene Sache.

Seitdem ist sie nämlich in den Gesamtverkehrsplan (GVP) aufgenommen. Danach soll das erste Teilstück von der verlängerten Ludwig-Landmann-Straße zum Praunheimer Weg in einem Bogen zwischen Praunheim und der A 5 verlaufen, während für die restliche Strecke bis zur Dillenburger Straße ein Tunnel geplant ist. Derzeit läuft aber noch eine Studie im Auftrag des Planungsamtes, ob die Tunnellösung überhaupt machbar ist.

„Die Vertreter der Stadt haben abgesagt, weil sie zunächst die Machbarkeitsstudie abwarten möchten“, bedauerte Wulf Raether vom Verein „Brücke 71“. Für ihn ist die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung zum Gesamtverkehrsplan nicht nachvollziehbar: „Die Stadtverordnetenversammlung hat auf Basis veralteter Daten entschieden. Eine zukunftsorientierte Verkehrsplanung blieb unberücksichtigt.“ Auch die Forderung des Ortsbeirates 7 nach einem beschleunigten Planungsverfahren stößt bei Raether auf Unverständnis.

Dennoch hatte der Verein einige Gesprächspartner gefunden, die ihre Meinung zur Ortsumfahrung äußerten. Helga Dörhöfer, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ortsbeirat 8, führte städtebauliche Gründe gegen die Planung an: „Praunheim darf nicht noch weiter zerschnitten werden.“ Die Grünen favorisieren als Alternative eine Verlängerung der Ludwig-Landmann-Straße über die Autobahn hinaus. „Auch eine Sackgassen-Lösung wie in Niederursel wäre denkbar.“ Karl-Heinz Hübner hat sogar eine Bürgerinitiative gegen die Umfahrung gegründet, weil „sie ein Grüngebiet zerschneidet“.

Andreas von Koskull von der Bürgerinitiative hat im vergangenen Jahr in einer großangelegten Aktion die Autos gezählt, die morgens und abends durch Alt-Praunheim fahren. Sein Fazit: „Seit 1990 ist die Belastung für Alt-Praunheim nahezu konstant geblieben.“ In der Umfahrung sieht er nur eine geringe Entlastung Alt-Praunheims. „Im Gegenzug belastet sie aber die Nordweststadt, da sie über den Anschluss Marie-Curie-Straße und die A661 neuen Verkehr anzieht“, sagte von Koskull.

Wilfried Windecker vom Vereinsring Praunheim ist dagegen ein großer Verfechter der Umfahrung: „Täglich ist in Alt-Praunheim drei Stunden Non-Stop-Stau.“ Auch für das Gewerbegebiet östlich der A 5 sei eine Erschließung durch die Umfahrungsstraße eine große Chance.

Trotz der fehlenden Stadtvertreter stieß die Veranstaltung bei den Anwohnern auf großes Interesse. Während viele Praunheimer über den bestehenden Verkehr klagten, haben nun Anwohner der Nordweststadt die Befürchtung, dass mit der Umfahrung neue Belastungen auf sie zukommen. Unsicherheit besteht auch darüber, was aus der Europaschule wird, wenn sich die Tunnellösung durchsetzt, denn sie steht genau auf der Trasse. (law)




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