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13.05.2008

Die Rechnung geht auf: Siedlerverein hilft erfolgreich in Mathe

Der kleine Raum im einstigen Textilladen an der Ecke von Ludwig-Landmann-Straße und „Am Ebelfeld“ ist wie geschaffen für die Mathe-Fragestunde von Gertrud Eller. Während sich Canan (14) mit der Berechnung komplizierter geometrischer Figuren herumschlägt, löst Carima (13) ein paar lineare Funktionen.

„Ich kann inzwischen viel besser rechnen“, freut sich Canan. Seit etwa eineinhalb Jahren bietet die Mathematiklehrerin ihren kostenlosen Service im „Neu-Mayland“ an, dem Büro des Siedlervereins Praunheim. Ginge es nach dem Vereinsvorsitzenden Lothar Weidmann, könnte es dort noch mehr Angebote für die Menschen im Stadtteil geben. Doch dazu mangele es an Ehrenamtlichen. „Wir sind für jede Idee offen.“

Ihr Angebot will Gertrud Eller nicht als Nachhilfeunterricht verstanden wissen. „Dazu müsste ein Kind intensiv betreut werden. Das ist hier nicht möglich.“ Sie wolle eine Anlaufstelle für Schüler der achten bis zwölften Klasse bieten, die konkrete Fragen haben. „Viele Schulen delegieren einen Teil ihrer Arbeit über Hausaufgaben und ähnliches an die Familien.“ Aber nicht alle Schüler hätten Eltern, die ihnen bei dem anspruchsvollen Stoff helfen könnten.

Im „Neu-Mayland“ kann die Pädagogin bis zu sieben Kinder gleichzeitig betreuen. „Einige kommen fast jeden Tag, andere nur gelegentlich.“

Schon immer habe der Siedlerverein Beratung angeboten, erklärt Weidmann. „Die Grundstücke sind nur fünf, sechs Meter breit. Da kommt es oft zu kleineren Konflikten.“ Etwa wenn es um die Höhe der Zäune gehe, um die Bepflanzung oder um Reparaturen. Denn oft seien mehrere Häuser an einen Verteiler angeschlossen, laufe eine Leitung durch mehrere Gebäude. Wichtig sei eine solche Beratung auch für die zahlreichen jungen Familien mit Kindern, die inzwischen in die Siedlung zögen und für frischen Wind sorgten.

War die Mitgliedschaft früher für alle Hausbesitzer der May-Siedlung Praunheim verpflichtend, verstehe sich der 650 zahlende Mitglieder große Verein heute als Bürgerinitiative für Praunheim und darüber hinaus, sagt Weidmann. „Als bei vergangenen Ortsbeiratssitzung die Sanierung der westlichen Heerstraße vorgestellt wurde, haben wir vorher Zettel verteilt. Dadurch kamen 150 Menschen zur Sitzung.“ Denn die Sanierung der Heerstraße sei im Stadtteil ebenso ein Dauerbrenner wie der Bau der Ortsumfahrung Praunheim und des Gewerbegebiets.

Außer der Mathe-Fragestunde immer mittwochs von 17 bis 18.30 gibt es im „Neu-Mayland“ an jedem zweiten Dienstag im Monat von 18 bis 19 Uhr eine Legasthenie-Sprechstunde einer Psychologin. Die Siedlerberatung ist donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 18.30 bis 19.30 Uhr geöffnet. In unregelmäßigen Abständen lädt der Verein Referenten zu verschiedenen Themen ein, etwa zum Thema Brandschutz, Sicherheit oder Energieeinsparung.

Einmal im Jahr veranstalten die Siedler ein Fest. Im vergangenen Jahr hatten sie sich mit der evangelischen Wicherngemeinde zusammengetan. „Am 6. September feiern wir in der Pützerstraße gemeinsam mit der Wichern- und der Auferstehungsgemeinde ein Straßenfest“, kündigt Weidmann an. Einmal im Jahr gibt es zudem ein Seniorenfest, zu dem Musiker, ein Dichter oder Geschichtenerzähler eingeladen werden.

Dringend sucht der Verein Ehrenamtliche für seine zahlreichen Aufgaben. „Wir besuchen alle Nachbarn, die ihren 80., 85. oder 90. Geburtstag feiern.“ Wer älter als 90 sei, dem gratuliert der Verein dann jedes Jahr. Auch betreiben die Siedler drei Kleingartenanlagen mit 100 Gärten. „Dafür suchen wir Obleute als Ansprechpartner der Pächter.“

Gerne würde der Siedlerverein seine Aktivitäten ausweiten. „Aber es ist alles sehr zeitaufwendig“, räumt der Vorsitzende ein. Sein Traum zum Beispiel ist ein Musikfest „Siedler im Park“, bei dem Nachbarn ihre musikalischen Talente zeigen können. Auch sei eine Neuauflage des längst vergriffenen Buchs geplant, das 2002 zum 75-jährigen Bestehen der Siedlung erstellt wurde.

„Und wir wären dankbar für preiswerte, aber stabile Aktenschränke.“ Um das in den Häusern der Mitglieder verteilte, umfangreiche Archiv endlich geordnet im „Neu-Mayland“ unterbringen zu können. (hau)




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