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16.04.2010

Die Mieter kämpfen für Haus 54

Ortsbeirat plant Sondersitzung für die Heinrich-Lübke-Siedlung.

Von Simone Wagenhaus

Bereits bei der Vorstellung des Architekten-Wettbewerbs war von Abriss und Neubau einzelner Gebäude in der Heinrich-Lübke-Siedlung die Rede. Dass es ausrechnet das Haus, das erst vor fünf Jahren grundlegend saniert und wärmegedämmt wurde, treffen könnte, haben die Mieter erst spät realisiert. Doch nun kämpfen sie für ihr Haus, die Nummer 54.

Praunheim. In der März-Sitzung war Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding GmbH, zu Gast im Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen). Schon da war er auf Skepsis gestoßen, bisweilen auf Pessimismus hinsichtlich der Frage, ob sich mit der Erneuerung der Heinrich-Lübke-Siedlung wirklich alles zum Besseren wendet. Wäre er auch in der Sitzung am Dienstagabend zugegen gewesen, hätte er sich massiver Kritik ausgesetzt gesehen. Denn die Mieter der Heinrich-Lübke-Straße 54 haben erst jetzt realisiert, dass es ihr Haus ist, das zur Debatte steht und das nach dem Entwurf von Albert Speer & Partner abgerissen und neu gebaut werden soll.

Nicht nur diese Idee ist aus Sicht der Mieter nicht nachzuvollziehen. Auch die Überlegungen, die Loggien durch Balkone zu ersetzten, stoßen auf Ablehnung. «Wir werden es auf keinen Fall zulassen, dass unsere Loggien wegkommen», sagte eine Vertreterin aus der Seniorenwohnanlage. Schließlich säßen ältere Menschen mal ganz gerne geschützt. Doch dafür interessiere sich die ABG nicht.

Hilfe erbeten Als jemand einwirft, dass ABG-Chef Junker in der vergangenen Sitzung mehrfach betont habe, es seien keine Widerstände aus der Mieterschaft zu erkennen, lachen die Nachbarn – es klingt gequält. «Wann wurden wir Bewohner mal nach unserer Meinung gefragt. In den Versammlungen gab es keinen Dialog. Das war ein Monolog», sagte eine Mieterin. Sie und ihre Nachbarn bitten den Ortsbeirat um Unterstützung.

Die soll es auch geben. In Form einer Sondersitzung des Stadtteilparlaments, wie von Ortsvorsteher Christian vorgeschlagen und allen anderen Fraktionen abgenickt. «Es hieß immer, die Heinrich-Lübke-Siedlung sei Privatgelände, deshalb wollte die ABG immer nur die Mieter einbeziehen. Doch das ist offensichtlich nicht gelungen», sagte zum Beispiel SPD-Fraktionschef Hans-Jürgen Sasse. Seine Partei hatte immer wieder auf eine Planungswerkstatt gedrungen – ohne Erfolg.

Schon im Herbst will die ABG mit der Sanierung der Heinrich-Lübke-Siedlung beginnen – so zumindest die Planung. Das kleine Einkaufszentrum soll zurückgebaut, danach ein Supermarkt an der Hauptverkehrstraße und ein mehrgeschossiger Wohnriegel mit Gewerberäumen im Erdgeschoss gebaut werden. Auch die Nachverdichtung und die Sanierung sollen in dieser Zeit beginnen. Bis 2012 soll das Projekt abgeschlossen sein. Ein Energie- und Gebäudekonzept ergänzt die Modernisierung.

Sondersitzung geplant Hinzu kommt, dass künftig auch frei finanzierte Wohnungen angeboten werden sollen, bislang sind 100 Prozent der rund 600 Wohnungen geförderte. Der Zeitplan könnte nun allerdings ins Wanken geraten. «Die Pläne können umgesetzt werden, vorausgesetzt, wir haben das Wohlwollen unserer Mieterschaft» – so hatte Junker bei der Vorstellung der Architekten-Wettbewerbs gesagt. Doch von Wohlwollen kann zurzeit keine Rede sein. Zumindest vonseiten der Nachbarn aus der 54 und der Seniorenwohnanlage. Mal sehen, was die Sondersitzung, für die es noch keinen Termin gibt, ausrichten kann. sim




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